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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 EL HIERRO FORUM
Vilaflor ( gelöscht )
Beiträge:

11.02.2006 12:59
RE: Reisebericht von Frankie antworten

Ein kleiner Reisebericht von heute:


El Hierro
Lavalandschaft mit morbidem Charme – und mehr

Als wäre sie vor wenigen Momenten erkaltet, kräuselt sich die wulstige Lava der Los-Lajiales-Felder oberhalb der Badebucht von Tacorón herunter – ein düster anmutendes Naturkunstwerk. Doch aus den Spalten zwischen den zu Stein gewordenen Zöpfen vulkanischen Gesteins lugen die Aeonium-Pflanzen hervor: roséfarbene Blüten, grüne Stengel, wachsige Oberflächen, kaum duftend.

Sie sind die einzigen Farbtupfer in der ansonsten dunkelgrauen Lava-Landschaft im Süden der kleinsten der Kanarischen Inseln, El Hierro. Absolute Stille herrscht hier, nur der Wind säuselt vom Meer herüber. Es klingt, als flüstere er: „Silencium”. Ruhe, bitte!

Obwohl die Wassertemperatur selbst im Januar und Februar bei 18 Grad Celsius liegt (Lufttemperatur: zwischen 15 und 21 Grad Celsius im Januar und 21 bis 27 im August und September), ist El Hierro kein Ort für sonnen- und erlebnishungrige Badeurlauber. Es gibt nur ein paar kleine schwarze Sandstrände, aber immerhin ließ die Tourismusdirektion in den vergangenen Jahren einige in der Steilküste angelegte Naturschwimmbäder renovieren.

Doch die Becken sind nur bei ruhiger See benutzbar, bei rauer See werden sie unterspült und sind zum Baden zu gefährlich. Nicht alle Teile El Hierros strahlen solch’ morbiden Charme aus wie die Kraterlandschaft.

Die saftig grünen Ananas-Plantagen des fruchtbaren El-Golfo-Tals im Nordwesten etwa, der märchenhafte Lorbeerwald Laurisilva im Norden der Insel, die Mandelbäume und der Pinienwald El Pinars im Süden oder die vom Nordwest-Passatwind skurril geneigten Wacholderbäume Las Sabinas im weiten, oft nebelverhangenen Weideland La Dehesa.

DIE NATURSCHWIMMBÄDER bei La Caleta bieten eine der wenigen Bademöglichkeiten auf El Hierro.

Gemeinsam ist den unterschiedlichen Landschaften mit dem wechselhaften Wetter ihre Ursprünglichkeit. Sie zieht die Besucher El Hierros in ihren Bann. Fünf Hauptstraßen, ein Tunnel und eine Ampel Auch die Infrastruktur El Hierros beschränkt sich aufs Wesentliche:

Fünf Hauptstraßen gibt es auf der 278 Quadratkilometer großen Insel, einen 2,7 Kilometer langen einspurigen Tunnel durch die „Wetterschleuse“, den 1500 Meter hohen Berg Malpaso, und eine einzige Ampelanlage (zur Regelung des Tunnelverkehrs).

Selbst die Hauptstadt Valverde (1800 Einwohner) ist so ruhig und überschaubar wie ein Dorf – trotz der drei Diskotheken, die am Wochenende öffnen.

Die vor allem über die Nordhälfte der Insel verteilten Dörfer und Siedlungen, deren Häuser oft mit einer Schicht Lavagestein verputzt sind, wirken malerisch und verschlafen. Massentourismus gibt es auf El Hierro nicht, hier erholen sich vor allem Wanderer, Tauchsportfreunde, ein paar Mountainbiker und Menschen, die für eine Weile einen Abstand zur Zivilisation brauchen. Insgesamt nur knapp 400 Betten gibt es in den 14 Hotels, Apartmenthäusern und Pensionen.

10 000 Herreños, zum Teil mit familiären Wurzeln in Venezuela und auf Kuba, leben auf dem Eiland. Gerd Ballmann wohnt seit 21 Jahren mit Frau und vier Töchtern im Norden der Insel. „Kitabo” nennt sich der 52 Jahre alte Deutsche, der in Heilbronn und Donaueschingen aufgewachsen ist. Ballmann ist – wie er es selbst beschreibt – „autodidaktischer Maler“, der Name „Kitabo“ stammt aus der Zeit, als er Anfang der achtziger Jahre nach abgebrochenem Kunststudium für 24 Monate den Senegal bereiste. Dort lernte er auch seine Frau kennen.

Als sie schwanger wurde, suchte man sich „einen schönen Platz, an dem wir unsere Kinder in Ruhe aufziehen konnten“, erzählt „Kitabo“, als er mit der Reisegruppe das „Ecomuseo de Guinea“ in der Nähe von Las Puntas besucht, eine Mischung aus Ureidechsen-Aufzuchtfarm und Heimatmuseum mit nachgebauten Wohnhäusern aus den vergangenen zwei Jahrhunderten.

Auch El Hierro und seine Bewohner haben schon schwierige Zeiten erlebt – in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es hätte nicht viel gefehlt, und den Malpaso würde heute eine Raketenabschussrampe krönen.

Doch die renitenten Herreños protestierten vor der Regionalverwaltung auf Teneriffa. Die Plakatwände mit der Aufschrift „Wir sind eine friedliche Insel” sind noch heute zu sehen. Das Problem hat damals der einheimische Agraringenieur Javier Morales gelöst: Wenn die westlichste Insel des Kanarischen Archipels zum Biosphärenreservat erklärt würde, wäre der Bau einer militärischen Anlage nicht mehr möglich, dachte sich Morales – und formulierte einen Antrag an die Unesco.

Seit 2000 ist El Hierro in fünf Unesco-Naturreservate unterteilt: die Naturschutzgebiete Mencáfete und Los Roques de Salmor, das Sonderschutzgebiet Tibataje, den Landschaftspark La Frontera und das Meeresreservat Mar de las Calmas.

Neben der Fischerei ist die Landwirtschaft noch immer der wichtigste Teil der Wirtschaft. Es gibt eine Käsefabrik im Nordosten der Insel und eine Weinkooperative. Biobauern verkaufen Honig und getrocknete Feigen. Eine besondere Spezialität sind die Papas arrugadas, in Meersalz und wenig Wasser gekochte „Runzelkartoffeln“.

Dazu werden Varianten des obligatorischen Olivenöl-Essig-Knoblauch-Pürees (Mojo) gereicht, verfeinert entweder mit frischem Koriander, Petersilie und weiteren aromatischen Kräutern oder – etwas schärfer – mit Peperoni und anderen Gewürzen. Das Leben auf El Hierro ist in vielerlei Hinsicht einfach, ursprünglich und dennoch genussorientiert.

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Beiträge: 21.836

11.02.2006 18:00
#2 RE: Reisebericht von Frankie antworten

Was für ein schöner Reisebericht. Dankeschön!!!

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