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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 LA GOMERA FORUM
zauberin60 ( gelöscht )
Beiträge:

20.10.2006 19:49
RE: 2Tages - Ausflug nach Gomera antworten


Eine Reise nach La Gomera verspricht Ruhe, nebelverhangene Wälder und einsame Bergdörfer.

La Gomera steht meist im Schatten der großen Nachbarinsel Teneriffa. Als Wander- und Aussteigerparadies genießt sie jedoch den Ruf als Rückzugsort, für all diejenigen, die das laute Strand- und Nachtleben in den Urlaubshochburgen Teneriffas oder Gran Canarias satt haben.
In der Tat bietet La Gomera vor allem eines: Ruhe in mitten einer herrlichen Natur. Partyzonen und hektische Großstädte sucht man hier vergebens. Wer auf La Gomera aber nicht ganz einsam sein will, muss sich nicht verlassen fühlen. In der Hauptstadt San Sebastián im Westen oder in die touristisch erschlossenen Orten rund um die Küste stößt man sehr wohl auf Leben. Selbst im dünn besiedelten Inland kann, wer will, beispielsweise im Rahmen kanarischer Fiestas das Tanzbein schwingen.

Um auf La Gomera zu gelangen, gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten: im Flugzeug oder per Schiff.
Die innerspanische Fluglinie Binter steuert zu recht günstigen Preisen den kleinen Airport im Süden der Kanaren Insel an. Allerdings sollen die Flüge von Teneriffa und Gran Canaria nach La Gomera 2007 eingestellt werden, da die kanarische Regierung die Subventionen streichen wird.

Nicht nur umweltfreundlicher sondern ebenfalls sehr schnell ist es, die Insel mit dem Schiff zu erreichen. Der Garajonay-Express und auch Fred Olsen stechen von Los Cristianos aus in See. Alle, die eine tarjeta de residencia besitzen, bekommen besonders günstig auf die Insel, per Schiff oder per Flugzeug. Gerade auch der Garajonay-Express bietet häufig spezielle Sonderangebote, bei denen in der Überfahrt gleich noch ein Mietauto inbegriffen ist.

Seefahrt ohne Gischt

Mit ersterem trete ich dann auch meine Reise an. Wer auf eine Insel möchte, sollte sich dieser vom Wasser aus nähern, so sagt man zumindest. Doch leider will sich das Seefahrtsgefühl nicht so recht einstellen. Das eher kleine Schiff hat kein für die Passagiere begehbares Außendeck. Zwar schaukelt es während der ca. 45-minütigen Überfahrt hin und wieder ganz ordentlich, aber von der frischen Atlantikgischt kann man leider keine Portion abbekommen.
Bei der Einfahrt in den Hafen der Hauptstadt San Sebastían wird man dafür mit einem schönen Blick auf die von Felsmassiven eingerahmte niedliche Metropole belohnt.

Eine Freitagnacht in San Sebastían: Kinder dürfen wie in ganz Spanien in den Sommerferien bis in die kleinen Uhren wach sein, hüpfen und rennen über die Plaza de Américas. Die Angestellten der kubanische Bar nehmen sich alle Zeit der Welt, die geduldigen Gäste zu bewirten. Schon nach wenigen Momenten auf der Insel merkt man: hier geht alles noch entspannter zu als es für deutsche Verhältnisse auf den übrigen Kanaren Inseln sowieso schon tut.

Alle guten Dinge sind drei

Gerade einmal 7.000 Menschen wohnen in San Sebastían. 45 Menschen müssen sich auf La Gomera einen Quadratkilometer teilen, auf Teneriffa sind es rund 335. Während auf letzterer Insel 112 Buslinien verkehren, brauch der Gomero keinen komplizierten Verkehrspläne im Kopf zu behalten: genau drei Buslinien zählt die kleine Insel.

Neben dem Torre de Conde, der den Spanier bei der Inselerobeurng 1447 einst als Festung diente, und dem gleichnamigen Parrador Nacional gibt es in der Hauptstadt keine auffälligen Sehenswürdigkeiten. Wer aber La Gomera kennen lernen will, sollte sich so schnell wie möglich zur Hauptattraktion der Insel begeben und die heißt Natur.

Durch karge Kakkteenlandschaften führt die Carretera TF 713 ins Zentrum des Eilands, wo sich auf mehr als 1.000 Höhenmetern der Parque Nacional de Garajonay erstreckt. Wegen seiner besonderen engstehenden Vulkanschlote wurde er 1986 zum UNESCO-Weltnaturerbe bestimmt.

Wolkenthron

Von seinen höchsten Aussichtpunkten wie dem Roque Agando (1.250 Meter), dem Roque Zareita (1.212 Meter) oder dem sagenumwogenen Garajonay-Felsen (1.487 Meter) hat man einen fantastischen Blick über die Insel. An wolkenfreien Tagen wie heute erscheint der Teide fast zum Greifen nahe. Spaniens höchster Berg ragt in voller Pracht aus der Wolkendecke, als ob er kein Fundament besäße und auf weißen Nebelschwaden thronen würde.
Beeindruckend.

Beim Anblick des Garajonay-Felsens geht einem unweigerlich die Geschichte des Liebespaares Gara und Jonay denkt, die sich lieber am höchsten Berg La Gomeras mit einem spitzen Stock umarmten und im Tode vereinten als von den Zwängen der Gesellschaft entzweit zu werden.
Von dem höchsten Punkten der Insel geht es tiefer hinein in das Herzstück des Nationalparkes: in den immergrünen Lorbeernebelwald hinein. Zweimeter hohe Farne, von den Bäumen hängenden Bartflechten und moosbewachsene knorrigen Ästen prägen des Bild des Herzens von La Gomera.

Wer glaubt auf La Gomera finde man nur die Ruhe hat sich getäuscht. Auch die Gomeros wissen zu feiern.

Ganze drei Buslinien fahren auf La Gomera, in der Hauptstadt leben nur 7.000 Menschen und des Nachts ist es auf der zwölf Millionen alten Vulkaninsel sehr dunkel. Keine Großstadt- oder sonstigen Lichter verschmutzen den beeindruckenden Sternenhimmel über der gebirgen Kanaren Insel. Wer Ruhe sucht, findet sie auf La Gomera.
Doch bevor die Einsamkeit unterm Himmelsfirmament genossen werden kann, geht es im zweiten Tal der Reise von dem höchsten Punkt der Insel, dem Felsen von Garajonay (1.487 Meter) zunächst tiefer hinein in das Herzstück des Nationalparkes. Der Parque Nacional Garajonay bildet mit seinem immergrünen Lorbeernebelwald, hohen Farne, moosbewachsene knorrigen Ästen das Herzstück La Gomeras.

Wer die perfekte Kulisse für einen Märchen- oder Fantasyfilm sucht, der findet sie hier. Wäre man noch Kind, würde man die Trolle, Feen und Hexen wohl hinter jeder moosgrüner Baumwurzel vermuten.
Nicht umsonst wurde der Lorbeerwald 1986 von der UNSESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Bei dem gomerischen Laurisilva handelt es sich um den weltweiten größten noch zusammenhängenden seiner Art. In dem subtropisch-feuchten Nebelwald wachsen und leben endemische Pflanzen- und Tierarten, einige davon schon seit acht Millionen Jahren. Ein wahrhaft lebendes Fossil. Aus seinem tiefen Dickicht geht die Reise schließlich weiter Richtung Westen, zum bekanntesten Tal der Insel: dem Valle Gran Rey. Der Name des Tal ist nicht etwa eine Anspielung auf einen spanischen König zur Zeiten der Eroberung der Kanarischen Inseln. Das idyllisch gelegene Tal verdankt seinem Namen dem einstigen. Guanchenherrscher Hupalupa. Valle de Gran Rey war in den 70er und 80er Jahren ein Anziehungspunkt für viele Aussteiger.

Hippies und Aussteiger

Noch heute gibt es hier Hippie-Kommunen, die zum Teil in Höhlen an einem Strand wohnen, der so genannten Schweinebucht. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Zahl der derzeit 1.400 zur Verfügung stehenden Betten in den Pensionen und Hotels des Tal noch weiter steigen wird. Vielleicht müssen sich die Gomeros, Aussteiger und Ruhebedürftige dann auch auf einen anbrechenden Massentourismus gefasst machen.

Müssten die Terassenfelder an den Berghängen und die verstreut liegenden kleinen bunten Häuschen irgendwann nach und nach Hotelklötzen weichen, wäre dies nicht nur schade für Aussteiger und Einwohner des Königstals.
Bis dies aber irgendwann soweit sein könnte, lässt sich das Leben im Tal noch recht ungestört genießen. Für die „Touristenhochburg“ La Gomeras geht es hier relativ ruhig zu.

Lockere Freikörperkultur

Am etwas versteckt liegenden Strand Playa de Inglés herrscht lockere Freikörperkultur. Hier im Meer zu schwimmen, ist aufgrund der Brandung und Strömungen jedoch nicht ganz ungefährlich. Nicht wenige Wagemutige wurden in der Vergangenheit von den Fluten ins offene Meer hinausgetrieben und ertranken. Der Playa de Vueltas, an der Promenade von Valle Gran Rey, ist in dieser Hinsicht weitaus kinderfreundlicher. Auf riesigen Bananenschlauchbooten hüpft die Jugend über die Atlantikwellen, während die Väter und Mütter im Sand die warmen Abendsonnenstrahlen genießen.

Mit der Dämmerung heißt es auch: Aufbruch. Nicht ins ungewisse, sondern ins Landesinnere. In Chipude, einem kleinen Bergstädtchen im Westen der Insel soll eine Fiesta stattfinden. Schon Kilometer vor Chipude stauen sich die Autos. Die steilen Straßen sind hier oben relativ eng, auch die Parkmöglichkeiten im und um den Ort nicht gerade üppig.

Das Atlantikorchester

Irgendwann ist der Dorfplatz erreicht, auf dem bunte Spanien und Kanarenflaggen im Scheinwerferlicht leuchten. Zu schepprig-lauten Klängen des „Orchesters des Atlantik“ schwingen Alt und Jung generationsübergreifend das Tanzbein. Der Geruch gegrillten Fleisches strömt von den Imbissbuden über den Dorfplatz. Ausgelassene fröhliche Stimmung herrscht hier in der einsamen Bergwelt La Gomeras. Wer der Ruhe der Insel überdrüssig geworden ist, findet hier das gewünschte Kontrastprogramm.

Am nächsten Morgen ist jedoch wieder Ruhe im Osten La Gomeras eingekehrt. Die Vulkaninsel zu verlassen, ohne die Nordseite gesehen zu haben, wäre frevelhaft. Über die kurvige Carretera führt der Weg entlang atemberaubender Abgründe. Terassenförmige Felder, Palmen prägen die Landschaft, in der es scheinbar nur hoch oder herunter geht. Kartoffeln, Tomaten, Bananen und auch Wein werden hier in der Gemeinde von Vallehermoso angebaut. Friedfertig und gemütlich geht es im „Schönen Tal“ und dessen gleichnamigen Hauptort zu. Eine Post, ein Sparsupermarkt, ein Rathaus, vielmehr braucht man hier zum glücklich werden nicht.
Weiter geht es Richtung Agulo. Der im Nordwesten der Insel gelegene Ort thront förmlich auf einer 200 Meter hohen Felskuppel über dem Meer, umgeben von Bananenplantagen, die noch heute die Haupteinnahmequelle der Bewohner bilden. Schwimmen im Meer an der stürmischen Nordwestküste ist hingegen nicht ratsam. Allerdings wurde aus einer ehemaligen Bananenverladestation ein natürliches Meerwasserschwimmbecken gebildet. Im herrlich blauen Salzwasser lässt es sich hier gefahrlos schwimmen. Wellen brechen hin und wieder über die Brüstung und sorgen für Wasseraustausch.
Trotz aller Badevergnügen, es hilft nichts.

Kolumbus´ Weihwasser

Um die Fähre nach Teneriffas zu erreichen, heißt es, Zündschlüssel drehen und schnell über die Carretera TF 711 nach San Sebastián. Christoph Kolumbus machte vor seiner ersten Reise nach Amerika den letzten Stopp auf La Gomera. Angeblich verliebte er sich 1492 in Beatriz de Bobadilla, weshalb er seinen Aufenthalt länger als notwendig hingezogen haben soll. Den amerikanischen Kontinent weihte er schließlich mit Wasser aus einem Brunnen San Sebastiáns. Mein Schiff der Garajonay-Express führt mich hingegen wieder an die Ufer bekannte Gefilde. Teneriffa schimmert am Horizont. Mit an Bord eine Flasche Mineralwasser aus dem Sparsupermarkt in Vallehermoso.

Teneriffas Neue Presse



Geht mal über den link, da sind noch tolle Fotos.
Der Bericht hat mir richtig Lust gemacht, beim nächsten Teneriffa - Besuch mal einen Abstecher zu machen. Vielleicht geht es euch ja genauso.

Gran Canaria Forum Offline




Beiträge: 21.836

21.10.2006 01:21
#2 RE: 2Tages - Ausflug nach Gomera antworten

ui, das ist aber toll geschrieben. liest sich echt super. klasse beitrag mal wieder gefunden jutta.

Franco77 Offline




Beiträge: 1.471

21.10.2006 02:27
#3 RE: 2Tages - Ausflug nach Gomera antworten

MUHÄÄÄÄÄÄH!
Am besten gefiel mir der Schluß, ich hatte erst kürzlich in einem anderen Forum zu Columbus' Affaire mit der Bobadilla was geschrieben.
VERLIEBT??
Laut zeitgenössischer Darstellung hatten die es da auf Gomera so heftig getrieben, daß die Mannschaft schon meuterte, weil durch die Verzögerung die ganze Mission in Frage gestellt wurde - es handelte sich um die ZWEITE Fahrt von Columbus in die Neue Welt, insofern waren sämtliche Angeheuerten natürlich mega-geil auf Prisengeld und Beute und hatten wenig Verständnis dafür, daß ihr Käptn da noch ewig mit einer Verbannten Adeligen (denn das WAR Beatriz de Bobadilla!) rumvögelte *excuse my French!*

Dies ist im Übrigen auch meine - nicht belegte und somit anzweifelbare - Theorie, WARUM Columbus bei dieser Überfahrt nochmal (völlig unsinnigerweise) hier bei mir um die Ecke, nämlich in der Bahia de Naos auf bzw. VOR El Hierro Station machte.
Wahrscheinlich mußte er sich erstmal von den Strapazen mit Beatrice erholen, die ihm sicherlich das Rückenmark rausgesaugt hatte ...



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